~Überlegereien~

Ich mag diesen Ding nicht. Überhaupt nicht, nichtmal ansatzweise. Bücher müssen für mich aus Papier bestehen und nicht aus kleinen elektronischen Teilchen und einem Bildschirm. Deswegen lese ich – damit ich eben nicht die ganze Zeit irgendeinen Bildschirm vor Augen habe.

Der EReader auf dem Markt ist jetzt an sich nichts neues mehr. Man sieht die Dinger überall, alt und jung lesen damit, Männer und Frauen. Auch jetzt im Urlaub ist die Zahl der EReader am Pool vermutlich höher gewesen als die der Papierbücher. Ich finde es schade, weil ich manchmal alleine auf den Titel eines Buches neugierig geworden bin, wenn ich es irgendwo habe liegen sehen. Jetzt sieht man … gar nichts mehr. Für die Leute, die nicht wollen, dass jemand anders mitbekommt, was man da liest, mag das ja toll sein .. aber lese ich da so hochbrisante Texte, dass niemand anders das sehen darf? Oder ist mir da peinlich, was ich da lese? kindle1

Ich weiß, dass dieses Ding enorme Vorteile hat. Ich habe oft genug darüber nachgedacht bisher.

  • Das Gewicht. Es ist schon ein Riesenunterschied, ob ich für zwei Wochen Urlaub vier oder fünf Bücher einpacke oder den EReader dabei habe. Bei den Büchern muss ich mich vorher entscheiden, was ich lesen möchte. Muss am Besten die Bücher bzw. die Autoren kennen, damit ich weiß, dass mich das Buch auch wirklich fesselt und ich mich nicht einfach nur irgendwie durchquäle oder es nachher sogar frühzeitig an die Seite lege. Dazu kommen nochmal locker zwei bis drei Kilo Gewicht, die in einem hart an der Grenze gepackten Koffer schon auffallen bzw. stark einschränken. Der EReader wiegt ein paar hundert Gramm. Und ich kann, wenn ich lustig bin, mal eben ein paar hundert Bücher mit an den Strand nehmen. Die schaffe selbst ich nicht in der Zeit zu lesen, muss mir also über Nachschub keine Gedanken machen.
  • Die Preise. Bücher kosten Geld. Das ist an sich jetzt auch nicht wirklich etwas neues. Viele Bücher kosten viel Geld und zu viel Geld hat wohl niemand von uns. Ich habe das im November bzw. Dezember ganz stark gemerkt, wo ich aufgrund diverser Weihnachtsgeschenke etwas knapper bei Kasse war und mein monatlicher Bucheinkauf zurückstecken muss. Im Januar hatten sich bereits so viele Bücher auf meiner Wunschliste angesammelt, dass ich schon fast einen kleinen Lottogewinn hätte haben müssen. Demnach konnte ich wieder nur einen kleinen Teil bestellen .. was die Liste für den Februar aber nicht wirklich hat kürzer werden lassen. Auch sind viele Taschenbücher gerade von kleineren Verlagen oft so teuer, dass ich schon kurz davor stehe, wirklich auf sie zu verzichten, weil mir fünfzehn Euro für ein paar wenige hundert Seiten einfach zu viel sind. In meinem Tempo und Freizeit am Nachmittag habe ich ein Vergnügen für zwei, vielleicht drei Tage. Das ist dann schon ein stolzer Preis.  EBooks sind da deutlich günstiger. Manchmal sind es nur ein paar Euro, manchmal kostet die elektronische Version vielleicht noch die Hälfte. Da kommen schnell ein paar geparte Euro zusammen.
  • Verfügbarkeit. Ich finde immer mehr Bücher von Autoren, die ich unbedingt lesen möchte, die es aber bisher nur in der elektronischen Form gibt. Bei manchen besteht noch eine kleine Chance, dass sie irgendwann mal als Print erscheinen .. bei anderen definitiv nicht mehr. Ich könnte mir jetzt eine App auf den PC laden und die Bücher dann auf dem Bildschirm lesen .. aber noch ungemütlicher geht’s dann wirkich gar nicht mehr. Dazu kommt dann noch die Tatsache, dass die EBooks wesentlich schneller auf dem Markt sind als die Taschenbücher. Bei deutschen Autoren kommt je nach Verlag nochmal eine Wartezeit von zwei oder drei Wochen dazu, bei den englischen Autoren, die ich mittlerweile häufig lese, kann diese Wartezeit aber auch schonmal drei oder vier Monate betragen. Dazu kommt dann nämlich noch die Verzögerung, bis amazon auch endlich in Deutschland die Titel im Programm hat.
  • Der Platz. Klar, viele Bücher brauchen viel Platz. Meine Wände bestehen aus einigen wenigen Möbeln, ein paar Bildern und großen Regalwänden. Mittlerweile habe ich sogar zwei Bücherregale im Schlafzimmer, weil ich im Wohnzimmer gar nicht alles verstauen könnte. Die vielen John Sinclair Bücher, die ich damals mal wie wild gelesen habe, sind mittlerweile sogar schon in einer Kiste im Keller verschwunden, ebenfalls viele Kinder – bzw. Jugendbücher, die ich noch habe. Ich träume ja immer noch von einem kleinen Häuschen, in dem ich zusätzlich eine kleine Bibliothek hätte .. aber das wird vermutlich immer ein Traum bleiben. Also habe ich einfach ein Platzproblem. EBooks? Muss ich vermutlich nicht weiter erwähnen, wie platzsparend die sind …

Rein logisch, mit dem Verstand betrachtet, bleibt also nur noch die Frage, wieso ich mir das Ding nicht schon vor Jahren gekauft habe. Etwas besseres kann mir doch eigentlich gar nicht passieren. Das höre ich übrigens auch immer wieder von den Leuten, mit denen ich mich darüber unterhalte. Verständnisloses Kopfschütteln .. erst Recht, wenn ich meine gar nicht mehr logischen Gegenargumente erwähne.

kindle2Mir fehlt dann nämlich einfach dieses Buchgefühl. Ich bin scheinbar ein Mensch, ich lese nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Ohren, der Nase, den Fingern. Ich rieche den Geruch von dem Papier. Ich höre das Rascheln der Seiten. Ich spüre die Seiten an meinen Fingern, spüre den Bucheinband, der bei jedem Buch anders ist. Verschiedene Texturen, verschiedene Materialien .. das alles habe ich beim EBook nicht. Ich kann die Seitenecken beim Lesen nicht über meinen Finger streifen lassen. Jedes Buch fühlt sich als EBook gleich an, sieht gleich aus.

Ich habe auch kein Problem damit, wenn Bücher gelesen aussehen. Das gehört für mich einfach mit dazu. Ich habe mehr als ein Buch, dem man deutlich ansieht, dass ich sehr oft darin geblättert habe. Ich liebe meine Taschenbücher, die ich gebraucht auf dem Flohmarkt bekommen habe. Selbst mit Eselsohren oder vergilbten Seiten. Auch Bücher werden älter .. macht das nicht gerade einen Teil des Charmes aus?

Dazu kommt die Tatsache, dass ich Bücher an den Wänden liebe. Wohnungen ohne Bücher sind mir irgendwie suspekt .. und Menschen, die keine Bücher in ihrer Wohnung haben, finde ich erst Recht seltsam. Zeige mir dein Bücherregal und ich bekomme eine Ahnung davon, wer du bist. Soll ich dann demnächst in allen EReadern herumstöbern?

Und als kleiner Randeinwurf – Bücher kann ich mir, wenn ich die Gelegenheit dazu bekomme, vom Autor signieren lassen. Ja, ein paar solcher Exemplare besitze ich und liebe sie abgöttisch. Mit einem EBook? Keine Chance, nicht wahr? Selbst wenn ich ein Buch verschenke, kann ich irgendwo im Buch einen lieben Gruß hinterlassen. Auch das funktioniert mit EBooks nicht.

Diese Diskussion führe ich jetzt schon seit längerer Zeit mit mir. Ich kann mich einfach nicht dazu aufraffen, mir so ein Teil zu bestellen. Und es ist eine reine Verstand gegen Herz Diskussion. Logische Argumente gegen den Bauch quasi. Eine Kombination, die noch nie so wirklich zu einem brauchbaren Ergebnis geführt hat, egal worum es ging. Kopf und Herz sind bei mir prinzipiell unterschiedlicher Meinung. Also irgendwie klar, dass ich da auch jetzt nicht wirklich zu einem Ergebnis komme ..

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~angefixt~

Ich bin ja jetzt nicht so wirklich der Fernsehmensch. Die Liste der gesehenen Filme oder Serien aus den letzten Jahren ist vielleicht maximal ein Viertel so groß wie die der gelesenen Büchern. Also wenn überhaupt. Ich finde es einfach wesentlich toller, wenn ich zwar die Idee aus dem Buch bekomme, ich mir aber alles andere quasi noch selbst vorstellen kann. Ich halte mich für einen recht phantasievollen Menschen, von daher ist das generell eher weniger ein Problem für mich.

In der letzten Zeit häuften sich die Meldungen aus meinem Bekanntenkreis, wer denn da alles Game of Thrones schaut. Anstatt weniger wurden es immer mehr, so dass ich zumindest dezent neugierig wurde. Nö, unbedingt gucken .. vielleicht später, wenn ich mal ganz viel Langeweile habe. Oder sämtliche Bücher fertig gelesen. Oder … naja, später halt.gamesofthronesGestern muss irgendwas davon zutreffend gewesen sein, jedenfalls fand ich mich irgendwann auf meinem Sofa wieder, gebannt auf den Bildschirm starrend. Staffel eins, erste Folge … irgendwo mittendrin. Es kündigte sich ein Unglück an. So ungefähr zwölf Stunden später hatte ich die erste Staffel in einem Rutsch inhaliert. Der Tag war vorbei, ich hatte so ziemlich nichts geschafft ausser zu atmen und gelegentlich etwas zu trinken. Und meine neue Seriensucht zu gucken. Verdammt. Angefixt. Aber sowas von! Etwas ärgerlich war es schon, dass mich so banale Dinge wie nächtlicher Schlaf von weiteren Folgen abhalten konnte. Musste.

Heute kurz nach dem Aufstehen das gleiche Spiel. Leckeres Heißgetränk .. und seitdem gibt es quasi nur noch mich und meinen Bildschirm. Und sämtliche Figuren, die in der Gegend da herumlaufen, Intrigen spinnen, sich gegenseitig verfolgen und töten, Kriege führen, den Thron haben wollen, sich lieben, hassen, verlieren und wiederfinden.

Die Serie ist so absolut genial, das hätte ich mir vorher nicht vorstellen können. Nennt mich Groupie .. wobei da grad nichtmal die männliche Rolle schlechthin dabei ist, die mich in Sabberlaune versetzen könnte. Stattdessen bin ich eher Fan von Arya Stark, das jüngste Mädel aus dem Haus, die aber momentan mal noch so gar nichts mädchenhaftes an sich hat. Stattdessen lernt sie Schwertkampf, boxt sich irgendwie durch alle Gefahren durch, hat eine mutige, liebenswerte große Klappe und ist ansonsten einfach nur toll.

Auch Tyrion ist irgendwo toll – kleinwüchsig und dadurch körperlich momentan eher ungefährlich, hat aber so geniale Sprüche und eine so kleine, fiese, gemeine Art an sich, die doch liebenswert ist .. und mich häufiger breit grinsen lässt.

Kurzum – ich liebe Game of Thrones einfach, bin mehr als süchtig und werde die letzten bereits veröffentlichen Folgen mit Sicherheit in kürzester Zeit inhaliert haben … um dann sehnsüchtig auf Nachschub zu warten. Dafür lasse ich momentan sogar meine Bücher neben mir liegen. Und das will was heißen …

~hyperaktiver Hamster~

Ich fühl mich grad irgendwie wie dieser hyperaktive Hamster aus Ab durch die Hecke. Nach dem Genuss von vielleicht vier Litern Energydrinks. Die ganze Nacht nicht ein Auge zugemacht und aus dem Plan, dann einfach heute morgen zu schlafen, wurde definitiv nichts.

Aus einem geplanten Tavernenabend mit dem weltbesten Herner wurde ab elf spontan eine versuchte Tanznacht mit N. Versucht einfach nur deswegen, weil wir uns natürlich völlig festgequatscht haben .. und die Veranstaltung quasi schon vorbei war, als wir irgendwann endlich da aufgetaucht sind. Immerhin anderthalb Stunden hatten wir noch .. aber dafür wenigstens den Eintritt gespart. Anschließend sind wir dann wieder zu N. nach Hause .. und haben bis kurz nach neun durchgequatscht, bevor ich mich mit Bus und Bahn auf den Weg nach Hause gemacht habe. Ist mir so auf diese Art auch noch nicht wirklich passiert ..

Der Großteil der Leute in schicker Sonntagskluft auf dem Weg zum Wahlbüro, ein paar einzelne Gestalten im Trainingsanzug auf dem Weg zu sportlichen Veranstaltungen.

In Linden bin ich dann erstmal über den Lieblingspapa gestolpert, der bei unserem Bäcker an seinem Sonntagskaffee schlürfte. Er wirkte kurzfristig irritiert, mich um diese Uhrzeit auf den Beinen zu sehen. Keine Angst, das war ich auch. Zu dem Zeitpunkt war ich mittlerweile schon wieder mehr als wach.

Auf dem weiteren Weg nach Hause dann nochmal eben im Wahllbüro vorbei gesprungen und dort etwas für Erheiterung gesorgt. Ker .. dieser eine Zettel war aber auch groß.

Und jetzt sitz ich hier, warte drauf, dass es gleich quasi Mittagessen gibt – Lieblingsmutti hat zum Spargelessen eingeladen – und hoffe, dass ich anschließend irgendwie zur Ruhe komme und etwas schlafen kann. Ich fühl mich einerseits wirklich wie dieser hyperaktive Hamster .. andererseits scheint mein Hirn grad irgendwo anders zu sein. Seltsamer Zustand. Wie gut, dass heute Sonntag ist und definitiv nichts anderes ansteht als … nichts.

~Schlussstrich~

Die erste Arbeitswoche ist dann heute also quasi auch schon wieder vorbei. Zum Glück waren es nur vier Tage, die ich irgendwie hinter mich bringen musste. Jetzt steht erstmal ein freies Wochenende vor der Tür und selbst wenn ich müsste .. ich würde definitiv nicht einspringen. Auch nach der langen freien Zeit nicht. Ja, ich weiß. Ich bin so ein richtiges Kollegenarschlochkind. Quasi. Aber mit Grund.

Dienstag, also am ersten Arbeitstag, habe ich mal direkt für schlechte Laune gesorgt. Dabei habe ich eigentlich nur das endlich durchgezogen, was seit November bzw. Dezember in meinem Kopf ist und was ich eigentlich auf dieser beschi**enen Dienstbesprechung, als uns mitgeteilt wurde, dass N. gekündigt wurde, schon angekündigt habe. Ich habe mir mit der Durchführung jetzt nur ein halbes Jahr Zeit gelassen .. zum Einen, weil ich so gerne gesehen hätte, wie diese Firma vielleicht jetzt doch kaputt geht – ich habe in dem Fall nur nicht mit der Dummheit von O. gerechnet – und zum Anderen weil ich meinen Urlaub haben wollte.

Dieser ist jetzt vorbei .. also was hält mich da jetzt noch? Richtig. Nichts. Demnach war es also nur logisch, dass ich jetzt Zeit und Lust auf eine Kündigung hatte. Dienstag abgegeben mit Wirkung zum ersten Juli. Von meinen Stunden sieht es so aus, dass ichmal eben locker die nächsten sechs Wochen in’s  Frei gehen kann .. damit ich zumindest noch einen Teil der Überstunden abfeiern kann. Die restlichen zweihundert muss ich mir dann leider eh auszahlen lassen. Natürlich ist Geld toll .. aber da Vater Staat davon noch reichlich mitkassieren wird, habe ich da nicht allzu viel von. Leider.

O. ist mittlerweile recht schlecht auf mich zu sprechen .. hat er zum Einen wohl gar nicht mehr mit der Kündigung gerechnet – immerhin habe ich jetzt ein halbes Jahr lang die Füße still gehalten und das Thema nicht mehr auf den Tisch gebracht. Zum Anderen habe ich ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass ich spätestens Montag meinen letzten Arbeitstag machen werde .. entweder stellt er mich danach frei oder ich bin beim Arzt. Nicht die feine Art und mir tut es leid, dass die Kollegen drunter leiden müssen .. aber in dem Punkt bin ich grad richtig egoistisch.

O. meinte ausserdem, sich mit N. darüber streiten zu müssen. Netterweise hat er meine Aussagen dabei völlig verdreht, damit er ihr weitere Vorwürfe machen konnte. Unter anderem, dass sie von der Kündgung gewusst hätte. Nein, hat sie nicht. Oder eher – sie wusste zwar, dass ich gehen wollte, was seit Dezember ja auch kein Geheimnis mehr war, wusste aber nicht wann. O. ist der Meinung, dass ich doch nicht kündigen würde, wenn ich noch keinen neuen Vertrag irgendwo hätte .. aber irren ist in diesem Fall männlich.

Ich habe noch keinen neuen Vertrag und ob er’s glauben will oder nicht, der wichtigste Gedanke war hier erstmal „Hauptsache weg“. Wohin .. das kann ich mir in den nächsten Wochen überlegen. Ist ja nicht so, dass gute Pflegekräfte nicht überall dringend gesucht werden. Abgesehen davon weiß ich, wo ich hin will. Erste Gespräche wurden auch schon geführt .. und vermutlich kommt der neue Vertrag in den nächsten Tagen per Post.

Ein einziger Arbeitstag also nur noch. Irgendwie ein komisches Gefühl nach den letzten zwei Jahren. Schade, dass es jetzt so enden musste, irgendwie hatten wir uns das damals alles etwas anders vorgestellt. Aber gut. Jammern hilft da jetzt recht wenig. Ein Tag noch. Den schaff ich.