~huzur içinde yatsın~

tugceEine junge Frau, die die allseits geforderte und gewünschte Zivilcourage gezeigt und dafür mit ihrem Leben bezahlt hat. Gestorben an ihrem 23. Geburtstag. Ein Tag, den sie eigentlich mit Familie und Freunden hätte feiern sollen. Stattdessen lag sie im Krankenhaus, hirntot, an Maschinen angeschlossen und nur noch durch eben diese am Leben erhalten.

Gestern Abend, an ihrem Geburtstag, wurden die Maschinen abgestellt.

Ruhe in Frieden.

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~Es ist wieder warm!~

Endlich. Ich habe meine Heizung wieder. Und heiß duschen kann ich seit gestern auch wieder .. Ich kann gar nicht beschreiben, was das für ein tolles Gefühl ist. Endlich nicht mehr im Schlafanzug bzw. Bademantel über die Straße rennen müssen .. endlich wieder warme Luft in den eigenen vier Wänden. Ein Traum! skalpintasche

Zwar ist es etwas erschreckend, wenn morgens vor der vereinbarten Zeit auf einmal drei ausgewachsene Kerle vor der Tür stehen und direkt durch in’s Schlafzimmer stürmen .. aber gut. Auch das habe ich überlebt. Vermutlich im Gegensatz zu der blonden Kundin, die irgendwann vor mir an der Reihe gewesen sein muss. Deren Skalpreste habe ich nämlich noch in der Tasche der netten Handwerker gefunden. Da die beiden verbliebenen Kerle mir aber scheinbar nichts tun wollten – vermutlich hatten sie einfach nur Mitleid mit mir verstrubbelten, durchgefrorenem Etwas – habe ich sie auch nicht auf die Haarreste in der Tasche angesprochen. Schlafende Monster soll man ja nicht wecken. Auch wenn ich jetzt nichts dagegen hätte, wenn der eine von denen nochmal wiederkommt .. Groß, Glatze, Bart. Tattoos und tolle Hände und eine Gänsehautverursachende Stimme. Ja, der könnte durchaus nochmal vorbei kommen. Und dann anschließend meinetwegen auch meine Haare ..

Äh … genug geträumt.

~Auch im Krankenhaus darf gelacht werden~

Es gibt Krankenhäuser, die setzen auf Technik. Lieblingsmutti liegt gerade in so einem. Als ich damals meine Ausbildung da gemacht habe, wurden diese automatischen Transportteile gerade eingeführt. Damals war es vereinzelt schon nervig, wenn man mit dem Bett irgendwo warten musste .. oder der Transporter einem mal eben den Fahrstuhl vor der Nase wegschnappte.

automatischertransportMittlerweile scheint man die Technik immer noch nicht perfektioniert zu haben und diese Transportteile fahren nicht nur vereinzelt .. sondern in ganzen Rudeln quer durch’s Haus. Damit man vorgewarnt ist, falls man das Teil mal übersehen sollte, gibt’s natürlich noch das passende akustische Signal dazu. „Achtung, automatischer Transport!“ in einer Dauerendlosschleife. Schon nervig. wenn man das in der Singleversion hört .. und ein absolutes Highlight, wenn man den fünfstimmigen Surroundcanon vernimmt. Genau dieses Glück hatte ich gestern, während ich auf den Fahrstuhl gewartet habe. Drei von links, zwei von rechts. Stau im Kellergang. Da reichten nichtmal diese Haltebuchten wirklich aus und minutenlang ging da gar nichts .. bis auf das fünfstimmige „Achtung, automatischer Transport“. Dem älteren Herrn, der ebenfalls auf den Fahrstuhl warten wollte, liefen auch nur noch die Lachtränen durch’s Gesicht, während er sich verzweifelt bemühte, irgendwie Luft zu holen und auf den Beinen zu bleiben. Der heraneilende Techniker wirkte … kurzfristig überfordert. Musste aber ebenfalls Lachen.

Für den nächsten, aber eher verzweifelt fragenden Lacher sorgte dann übrigens Lieblingsmutti .. Sie wird bei Visite gefragt, ob sie einen ambulanten Pflegedienst für die weitere Versorgung kennt.
Was sagt sie? „Nicht wirklich. Nur so die vonne Caritas. Und die Nachbarschaftliche oder so. Und halt Augusta, ne?“

Ist klar. Danke Mama. Selten habe ich mich als Kind so ignoriert gefühlt. Zum Glück konnten wir dieses Missverständnis dann doch noch aus der Welt schaffen und ihr einen anderen Pflegedienst besorgen, der dann ab demnächst die Wundversorgung übernimmt. Immerhin.

~Es reicht. Ich gebe auf.~

Mit dem heutigen Tage hat sich dieses Jahr dann entgültig in die Schublade der bescheidensten Jahre meines Lebens einsortiert.

Der eigentliche Plan für heute war

  • nach Hause kommen
  • duschen und für’s Stadion anziehen
  • zu Mutti in’s Krankenhaus fahren und da zwei Stündchen sitzen und quatschen
  • in’s Stadion gehen und ein hoffentlich tolles Spiel gucken.

Soweit der Plan. An sich konnte man den bereits beim ersten Punkt schon in die Tonne kloppen, denn ein viel zu später Feierabend plus natürlich diverse Staus auf den Autobahnen und in der Stadt sorgten dafür, dass ich nicht nur spät, sondern viel zu spät zuhause ankam. Selbst ohne das Duschen hätte ich höchstens noch eine knappe Stunde Zeit für den Besuch bei Mama gehabt. Da Murphy und ich uns allerdings verkracht haben, konnte er das natürlich nicht so stehen lassen und dachte sich vermutlich: „Mensch, der hau ich doch direkt noch einen rein, da geht noch was!“

Also verpasste er kurzerhand meiner Gastherme im Bad eine lustige Fehlermeldung, mit der erstmal niemand etwas anfangen konnte. Ausserdem ließ er mal eben sämtliches Wasser aus eben jener Therme verschwinden, dass dann später wie durch Zauberhand im Schlafzimmer unter der Heizung auf dem Fußboden wieder auftauchen sollte. Also genau das, was der Mensch an einem Freitag so braucht. Mein nur noch klägliches Fiepen nach Hilfe wurde zum Glück von meinem Nachbarn und von Papa erhört, so dass ich zumindest nicht alleine war, als dann endlich die notfallmäßig herbeigerufenen Jungs der Sanitärfirma eintrafen.

An dieser Stelle vielleicht ein kleiner Hinweis an die Herren der Schöpfung. Einer Frau, die sichtbar sowieso schon mit den Tränen kämpft, weil grad alles gleichzeitig kommt und in der Menge einfach zu viel zum Verarbeiten ist .. so einer Frau erklärt man nicht an einem Freitag Spätnachmittag, dass die Heizung mal eben ausgestellt werden und man mindestens über’s Wochenende bis vermutlich Mitte nächster Woche auf sowohl die Heizung, als auch auf warmes Wasser verzichten müsste. Auch wenn es die Wahrheit ist. Und erst Recht findet man das nicht besonders lustig und grinst dabei über beide Ohren, weil man ja selbst grad so gute Laune hat.

Es muss eh jeder selbst wissen, wie er seinem Leben ein Ende bereiten möchte. Aber deren Glück war in dem Moment wirklich nur, dass ich eher noch in dieser weinerlich depressiven statt in der Wutphase war. Sonst hätten die mit ihren Aussagen anschließend vermutlich jemanden gebraucht, der ihre Knochen von der Straße aufsammelt. Nein, sie können nichts für meine Heizung. Und nein, das ist an sich auch kein Beinbruch. Aber ein klein wenig sollte man sich schon in die Lage desjenigen hineinversetzen. Nur ein klein wenig.

Mittlerweile war es auch so spät, dass es weder zum Duschen noch zum Krankenbesuch reichte – mit etwas Glück wäre ich zumindest rechtzeitig im Stadion. Mit Mutti konnte ich abklären, dass ich nach dem Spiel noch vorbei komme – extra noch die Bettnachbarin und die Schwestern auf Station gefragt, ob das in Ordnung ginge. Es ging.

So saß ich dann nach einem grandiosen Spiel mit doch recht guter Laune bei Mutti am Bett, erzählte von meinem traumhaften Tag, ließ mir von ihren Erlebnissen berichten, bekam die Erlaubnis, die nächsten Tage bei ihr zu duschen und ggf. auch zu übernachten .. und konnte mich dann irgendwann wesentlich später und wesentlich beruhigter auf den Weg in mein kaltes Zuhause machen.

Lieblingspapa hat mir zur Vorsicht einen Heizlüfter in’s Wohnzimmer gestellt. Heute Abend brauche ich ihn zumindest nicht mehr, da ich mich gleich in’s Bett verkrümeln werde .. aber zumindest sieht jetzt gerade nicht mehr alles noch so schwarz aus wie heute Nachmittag.

Jetzt müsste dieses olle Jahr nur noch spontan heute zuende gehen. Bitte. Damit dann endlich nächstes Jahr alles besser und viel toller wird …