~Blutiges EilLaminat~

Noch 59 Tage.

Erkenntnis des Tages – Alkoholische Desinfektionsmittel sind Arschlochkinder und man sollte immer, IMMER eine Alternative im Haus haben. (Es sei denn, man heißt Chuck Norris.)
Wahlweise tut’s vielleicht auch eine schalldichte Isolierung, ein Beißkeil und mehrere Großpackungen Taschentücher.

Grund für diese Erkenntnis war meine gestrige Laminataktion.

Laut Aussage sollten die Möbelmenschen irgendwann so zwischen zwölf und vier kommen. Okay. Das sollte dann mit ein paar Bahnen Laminat zusätzlich machbar sein, so dass die Pakete zumindest schonmal bequem im Wohnzimmer liegen können. Knapp acht Bahnen hatten Lieblingspapa und ich ja vorgestern im Zuge der Lernvorführung zusammen gelegt.

Dummerweise hatte sich an der einen Seite in einer der ersten Bahnen ein kleiner Spalt eingeschlichen. Nicht groß, vielleicht ein Millimeter. Allerdings zog sich diese Lücke über alle folgenden Bahnen, so dass ich echte Schwierigkeiten hatte, die nächste, neue Bahn anzulegen. Aber anstatt erstmal doch alles so zu lassen, die nächsten Bahnen einfach nur vorzubereiten und der Dinge zu harren, die da kommen wollten .. nein, nicht mit mir. Um viertel vor zwölf fiel der Entschluss, von den liegenden acht Bahnen sechs wieder auseinanderzurupfen, um diese olle Lücke verschwinden zu lassen. An sich wäre das ja eher weniger das Problem gewesen .. mit ausreichend Zeit im Rücken. Aber genau diese Bahnen hatten wir ja mit Absicht gelegt, damit die Möbelpakete .. ich erwähnte es bereits. Jetzt also wollte ich unseren tollen Plan torpedieren. Eine wirklich, wirklich tolle Idee. Unter Zeitdruck arbeitet es sich ja bekanntlich gleich noch viel besser, besonders dann, wenn man das alleine noch nicht gemacht hat. Aber gut, einmal gesehen am Vorabend, unter Aufsicht gelegt .. wie in der Ausbildung. Sehen, unter Aufsicht selbst machen, selbst machen. Klappte hier in diesem Fall bestimmt auch.aualaminat

Das winzige Zeitproblem sorgte dann allerdings dafür, dass ich das wunderschöne, weiße Dämmzeug unter dem Laminat erstmal fröhlich mit meinem Blut vollgetropft habe, weil ich mich an zwei der Holzstücke erstmal deftig geschnitten habe. Ein Schnitt quer über die Fingerkuppe, ein Schnitt eimal von der Kuppe bis zum ersten Gelenk. Jackpott. Also nicht nur Laminat legen, sondern direkt auch Erste Hilfe leisten. Inklusive Desinfektionsmittel. Pflaster alleine reichte allerdings anfangs nicht, da mussten schon dicke Kompressen herhalten – dafür, dass ich eine Gerinnungsstörung haben soll (mein Blut gerinnt zu schnell), haben sich die Schnitte echt alle Mühe gegeben, soviel Blut wie möglich zu verlieren. Mein Wohnzimmer sah aus wie ein Schlachthaus. Aber gut, weißes Dämmmaterial hat ja auch jeder. Rot ist viel stylischer.

Mittlerweile war es dann auch schon einiges nach zwölf, bis ich mit zwei umwickelten Fingern endlich wieder an meiner Ausgangsposition angekommen war. Alles, was ich also ab dann schaffen sollte, wäre Bonus.

Messen, sägen, legen. Messen, sägen, legen. Messen, sägen, legen. In diesem Rhythmus ging es dann die nächsten Stunden. Ohne Pause – irgendwie war ich allerdings auch so in die Arbeit vertieft, dass ich nichtmal wirklich mitbekommen habe, wie schnell die Zeit vergangen ist.

Irgendwann, es war knapp viertel vor vier, schellte es dann endlich an der Tür, während ich am anderen Ende des Wohnzimmers saß und dabei war, die allerletzte Bahn zu verlegen. Perfektes Timing.

Lieblingsmutti, die zufällig mit den Möbelmenschen in meine Wohnung gespült wurde, war etwas mehr als überrascht, dass ich mit dem Fußboden fertig war. Lieblingspapa konnte es später am Telefon ebenfalls nicht glauben und stand irgendwann am Abend sprachlos im Zimmer. Stolz .. und zeitgleich vielleicht auch ein wenig traurig, dass er seinem kleinen Mädchen nicht helfen musste.

Selbst vom Nachbarn habe ich mehrfach Komplimente bekommen .. und die Einladung, bei ihm im Wohnzimmer doch vielleicht auch … Nachbarsfrau meinte, das käme einem Ritterschlag gleich – so pingelig wie er bei handwerklichen Arbeiten sei.

Alles in allem kann ich vermutlich also wirklich stolz sein .. und ich gestehe, bis hier her bin ich es auch. Ich liebe die Wände, ich liebe den Fußboden .. und ich könnte im Kreis grinsen, dass ich das wirklich soweit alleine geschafft habe.

Ab morgen geht’s dann also an’s Möbel aufbauen .. aber das ist jetzt wirklich meine geringste Sorge, das kann ich.

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~Baufortschritte~

Noch 61 Tage.

Neulich, per sms:

„Ich hasse hasse hasse hasse diese Wand!! Ich will auch ein Wohnzimmer im Keller!! Mit Wänden! Und mit ohne Fenster! Und höchstens eine Tür! Warum hab ich überhaupt ein Wohnzimmer?!? Wieso lässt du das zu?!? Wärst du ein toller Papa, hättest du mich schon lange in einen Keller gesperrt! Ohne Fenster und Türen! Oder in einen hohen Turm! In eckig natürlich. Wie Rapunzel! Aber nein .. der Herr musste mir ja ein Wohnzimmer erlauben. Und was hab ich jetzt davon? Kein einziger beschissener Prinz war bisher hier! Stattdessen hab ich Kackwände und Kleister überall! Ich will jetzt sofort nen Prinzen! Oder zumindest das olle Pferd! Dann musst du kein Gras mehr mähen und ich kann reiten, wann immer ich will. Und wenn dieser olle Prinz doch irgendwann mal seinen Arsch hierher bewegt, kann der mir diese verflixte Tapete an die Wand kleben! Aber Prinzen gibt’s ja natürlich nicht. Elendige Lügerei in den Märchen. PAH! Von wegen heile Welt und Happy End! Nix is! Die Märchenweiber haben Zufallstreffer gelandet! Und uns armen Mädchen in der Realität wird vorgegaukelt, dass da draussen in der Welt irgendwo Prinzen sind, die zu unserer Rettung eilen, sobald wir uns verlaufen, an einem Apfel verschluckt oder zu lange geschlafen haben! Aber vermutlich sind die Prinzen ansonsten eh Vollnieten. Ich wette, nicht einer von denen würd mir hier grad helfen können, wetten?
Oh. Ich schweife ab. Tschuldigung. Alles gut hier. Nicht unter Kontrolle .. aber alles gut ;-*
Sollte ich allerdings jemals nochmal auf die Idee einer Tapete mit Motiv kommen, gib mich im Tierheim ab und zur Adoption frei! Danke.“

neuetapeteIch habe allerdings die Befürchtung, dass der Empfänger dieser Nachricht … mich nicht ernst genommen hat. Seine Arbeitskollegen vermutlich auch nicht. Zumindest habe ich das der Erheiterung im Hintergrund entnommen …

Schuld an der ganzen Aufregung ist bzw. sind diese ollen zwei Wände, die ich ja unbedingt in Steinoptik haben wollte. Motivtapeten sind bekanntlich eh schon doof .. bei schrägen Wänden sorgen sie für Verzweiflung, Wut, noch mehr Verzweiflung und den Drang, dem Vermieter, dem Architekten und den Baumenschen sehr, sehr weh zu tun.

Aber immerhin – irgendwann habe ich es doch geschafft. Ohne Leichen. Ohne weitere Schmerzen. Und ohne Medikamente. Damit sind meine Wände und ich fertig und ich konnte mir heute schon vom Lieblingspapa zeigen lassen, wie das mit dem Laminat so funktioniert. So schwierig ist das wirklich nicht .. und ich denke einfach mal, dass ich morgen, anstatt auf ihn zu warten, einfach schonmal selbst weiter mache. Je mehr ich schaffe, bevor morgen auch schon die ersten Möbelteile geliefert werden, desto besser ist es schließlich. Und bevor ich den ganzen Tag nur dumm herumsitze .. och nö. valentinstagsgeschenkDann lieber sägen. Und legen. Selbst ist die Frau. Bisher habe ich hier komplett alles selbst gemacht, das werde ich mich durch’s Laminat bestimmt nicht aufhalten lassen.

Schließlich liegt mir sowas wirklich deutlich besser als sämtliche Näharbeiten zum Beispiel. Lieber Hammer und Säge als Nadel und Faden. Vielleicht funktioniert das deswegen mit der Partnersuche auch nicht – ich müsste mir vermutlich eher eine Frau suchen, die die ganzen weiblichen Arbeiten übernimmt, während ich eher für das Grobe zuständig bin? Aber ich schweife ab.

Um meine Selbstständigkeit noch weiter zu fördern, habe ich übrigens das perfekte Valentinstagsgeschenk bekommen. Scheiß was auf Blumen und Pralinen – Cuttermesser sind die neuen Schlüssel zu Frauenherzen. Ich liebe Männer, die wissen, was ich brauche. Wirklich. Schokolade gab’s allerdings auch noch dazu. Aber das ist okay. Schokolade und scharfe Messer. Nach dem Kampf mit der Wand genau die richtige Kombination.

~Achtung, Baustelle~

Noch 69 Tage.

So. Ab heute ist hier Baustelle. Nix mehr mit gemütlichem Wohnzimmer, kuschelig auf der Couch sitzen und sowas. Seit heute existieren meine Möbel quasi nicht mehr. Zumindest nicht mehr bei mir. Netterweise hat sich der Lieblingspapa bereit erklärt, in den nächsten Jahren auf den Schrank, die Kommode und das Sofa aufzupassen, damit ich mir ein paar neue Schätze zulegen kann.

Doch bevor die in mein kuscheliges Heim einziehen und ich mich wieder auf mein Sofa werfen kann, steht noch eine Menge Arbeit an. Die Tapeten müssen ab, das Laminat muss raus. Die vermutlich anwesenden dicken Löcher in den Wänden müssen gestopft werden. Neue Tapeten müssen an die Wand, neues Laminat auf den Boden. Klingt alles .. machbar, natürlich. Zum Glück habe ich ein paar Tage frei, so dass ich quasi von morgens bis abends hier werkeln kann.

laminathaeufchenNetterweise hat mein Lieblingsherni heute geholfen, das ganze Möbelzeug über die Straße zu schleppen. Okay, vermutlich werden weder er noch sein Nerv jemals noch ein Wort mit mir wechseln .. aber vielleicht habe ich den begeisterten Blick am Ende auch falsch gedeutet. Auch wenn ich daran gerade nicht glaube.

Weil’s in den Fingern gejuckt hat und ich einfach nur mal wissen wollte, wie und ob das alles so klappt, habe ich vorhin schonmal angefangen, das Laminat einzusammeln. Der schwierigste Teil war vermutlich das Entfernen der Türleiste, die mit irgendeiner Klebemasse so sicher und fest angebracht wurde, dass sie vermutlich auch bei einem Hauseinsturz noch die drei Fliesen mit dem Laminat verbinden würde. Aber nachdem ich das dann fachmännisch ‚rausgekloppt habe, war der Rest verhältnismäßig einfach, so dass mich jetzt eigentlich nur die späte Uhrzeit davon abhält, hier noch weiter zu arbeiten.

Momentan bin ich echt motiviert .. ich hoffe, das bleibt auch so.

~Es ist wieder warm!~

Endlich. Ich habe meine Heizung wieder. Und heiß duschen kann ich seit gestern auch wieder .. Ich kann gar nicht beschreiben, was das für ein tolles Gefühl ist. Endlich nicht mehr im Schlafanzug bzw. Bademantel über die Straße rennen müssen .. endlich wieder warme Luft in den eigenen vier Wänden. Ein Traum! skalpintasche

Zwar ist es etwas erschreckend, wenn morgens vor der vereinbarten Zeit auf einmal drei ausgewachsene Kerle vor der Tür stehen und direkt durch in’s Schlafzimmer stürmen .. aber gut. Auch das habe ich überlebt. Vermutlich im Gegensatz zu der blonden Kundin, die irgendwann vor mir an der Reihe gewesen sein muss. Deren Skalpreste habe ich nämlich noch in der Tasche der netten Handwerker gefunden. Da die beiden verbliebenen Kerle mir aber scheinbar nichts tun wollten – vermutlich hatten sie einfach nur Mitleid mit mir verstrubbelten, durchgefrorenem Etwas – habe ich sie auch nicht auf die Haarreste in der Tasche angesprochen. Schlafende Monster soll man ja nicht wecken. Auch wenn ich jetzt nichts dagegen hätte, wenn der eine von denen nochmal wiederkommt .. Groß, Glatze, Bart. Tattoos und tolle Hände und eine Gänsehautverursachende Stimme. Ja, der könnte durchaus nochmal vorbei kommen. Und dann anschließend meinetwegen auch meine Haare ..

Äh … genug geträumt.

~Von Unkraut und Fähnchen~

Gestern war dann wieder einer der Momente, in dem ich mich nicht direkt entscheiden konnte, ob ich spontan lieber lachen oder weinen … oder jemanden töten möchte.

Der Sohn meines Vermieters versucht seit zwei Tagen, mich telefonisch zu erreichen. Das ist ganz was tolles, besonders da er immer zu Zeiten anruft, in denen ich defintiv nicht erreichbar bin .. und ich zu Zeiten Feierabend mache, in denen ich ihn nicht mehr anrufen möchte. Abgesehen davon weiß der Kerl, wo ich wohne .. wenn es etwas wichtiges ist, soll er mir einen Zettel in den Briefkasten werfen.

Für ihn schien es jedenfalls wichtig genug gewesen zu sein, so dass er gestern Abend spontan bei mir auf der Matte stand. Wohlbemerkt, nach knapp elf Stunden Arbeit. Seit dreizehn Stunden außer Haus gewesen und vor wenigen Minuten erst zurück gekommen. Meine Laune war dementsprechend natürlich nicht unbedingt .. gut.

Aber bei so unglaublich wichtigen Themen .. klar, dass er da vorbei kommen muss. Habe ich auch völliges Verständnis für. Punkt eins war das Unkraut auf meinem Balkon. An der Außenseite der Balkonumrandung. Unten. Da wächst nämlich dieses böse Unkraut. Und da die Balkone ja letztes Jahr oder so erst erneuert worden sind, ist das ja total doof, weil damit geht das ja wieder kaputt. Und es geht ja sowieso schonmal gar nicht, dass ich das da so einfach wachsen lasse und gar nichts dagegen unternehme. Der Witz an der Sache ist nur, dass ich seit knapp drei Monaten nicht mehr auf meinem Balkon war, da seit eben jener Zeit die Gerüste für die Isolierungsarbeiten dort stehen und jegliche Balkonaktivitäten direkt im Ansatz ersticken. Selbst wenn ich gewollt hätte, ich wäre niemals zu der Stelle gekommen, um das Moos überhaupt sehen zu können. Seit zwei Tagen sind die Gerüste jetzt endlich weg … und natürlich ist meine erste Amtshandlung, erstmal nach dem Unkraut an der Außenumrandung zu schauen! Aber selbstverständlich! Nicht. Erst Recht nicht, wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin und abends quasi tot in’s Bett falle. Man möge mir verzeihen, dass meie Prioritäten da etwas anders liegen. faehnchen

Punkt zwei war dann fast noch wichtiger. Ich möchte nämlich bitte unbedingt diese komische Fahne von meinem Schlafzimmerfenster entfernen. Die sieht nämlich nicht schön aus. Oder nee, halt. Warte. Er findet die nicht schön. Deswegen muss die da jetzt auch unbedingt weg. Bei der WM hat er ja nichts gesagt .. aber jetzt, Wochen nach der WM .. das geht jetzt nicht mehr. Die Fahne ist hässlich, also muss die Fahne weg. Klar. Ich meine, ich hätte mal irgendwann mitbekommen, dass der Typ Anhänger eines Vereins aus der schwarz – gelben Nachbarstadt ist. Schon klar, dass er meine Fahne da hässlich findet.

Schade, dass er da am Ende sogar am längeren Hebel sitzt .. also werde ich wohl nicht drum herum kommen, mir einen anderen Platz für mein Fähnchen zu suchen. Und wenn ich mir einen großen Stock auf den Balkon stelle.

Ernsthaft .. der Typ macht mich wütend. Für jede kleinste Kleinigkeit hier im Haus brauchen die Ewigkeiten, bevor da was passiert .. aber Hauptsache das Unkraut am Balkon ist unter Kontrolle und die Außenwand sieht schön aus.

Ein Glück für ihn, dass ich müde war und hier eigentlich wohnen bleiben möchte. So hat er zwar gemerkt, dass ich zickig wurde .. aber hat nicht meine geballte Unverständnis abbekommen.

Schade eigentlich.