~Baufortschritte~

Noch 61 Tage.

Neulich, per sms:

„Ich hasse hasse hasse hasse diese Wand!! Ich will auch ein Wohnzimmer im Keller!! Mit Wänden! Und mit ohne Fenster! Und höchstens eine Tür! Warum hab ich überhaupt ein Wohnzimmer?!? Wieso lässt du das zu?!? Wärst du ein toller Papa, hättest du mich schon lange in einen Keller gesperrt! Ohne Fenster und Türen! Oder in einen hohen Turm! In eckig natürlich. Wie Rapunzel! Aber nein .. der Herr musste mir ja ein Wohnzimmer erlauben. Und was hab ich jetzt davon? Kein einziger beschissener Prinz war bisher hier! Stattdessen hab ich Kackwände und Kleister überall! Ich will jetzt sofort nen Prinzen! Oder zumindest das olle Pferd! Dann musst du kein Gras mehr mähen und ich kann reiten, wann immer ich will. Und wenn dieser olle Prinz doch irgendwann mal seinen Arsch hierher bewegt, kann der mir diese verflixte Tapete an die Wand kleben! Aber Prinzen gibt’s ja natürlich nicht. Elendige Lügerei in den Märchen. PAH! Von wegen heile Welt und Happy End! Nix is! Die Märchenweiber haben Zufallstreffer gelandet! Und uns armen Mädchen in der Realität wird vorgegaukelt, dass da draussen in der Welt irgendwo Prinzen sind, die zu unserer Rettung eilen, sobald wir uns verlaufen, an einem Apfel verschluckt oder zu lange geschlafen haben! Aber vermutlich sind die Prinzen ansonsten eh Vollnieten. Ich wette, nicht einer von denen würd mir hier grad helfen können, wetten?
Oh. Ich schweife ab. Tschuldigung. Alles gut hier. Nicht unter Kontrolle .. aber alles gut ;-*
Sollte ich allerdings jemals nochmal auf die Idee einer Tapete mit Motiv kommen, gib mich im Tierheim ab und zur Adoption frei! Danke.“

neuetapeteIch habe allerdings die Befürchtung, dass der Empfänger dieser Nachricht … mich nicht ernst genommen hat. Seine Arbeitskollegen vermutlich auch nicht. Zumindest habe ich das der Erheiterung im Hintergrund entnommen …

Schuld an der ganzen Aufregung ist bzw. sind diese ollen zwei Wände, die ich ja unbedingt in Steinoptik haben wollte. Motivtapeten sind bekanntlich eh schon doof .. bei schrägen Wänden sorgen sie für Verzweiflung, Wut, noch mehr Verzweiflung und den Drang, dem Vermieter, dem Architekten und den Baumenschen sehr, sehr weh zu tun.

Aber immerhin – irgendwann habe ich es doch geschafft. Ohne Leichen. Ohne weitere Schmerzen. Und ohne Medikamente. Damit sind meine Wände und ich fertig und ich konnte mir heute schon vom Lieblingspapa zeigen lassen, wie das mit dem Laminat so funktioniert. So schwierig ist das wirklich nicht .. und ich denke einfach mal, dass ich morgen, anstatt auf ihn zu warten, einfach schonmal selbst weiter mache. Je mehr ich schaffe, bevor morgen auch schon die ersten Möbelteile geliefert werden, desto besser ist es schließlich. Und bevor ich den ganzen Tag nur dumm herumsitze .. och nö. valentinstagsgeschenkDann lieber sägen. Und legen. Selbst ist die Frau. Bisher habe ich hier komplett alles selbst gemacht, das werde ich mich durch’s Laminat bestimmt nicht aufhalten lassen.

Schließlich liegt mir sowas wirklich deutlich besser als sämtliche Näharbeiten zum Beispiel. Lieber Hammer und Säge als Nadel und Faden. Vielleicht funktioniert das deswegen mit der Partnersuche auch nicht – ich müsste mir vermutlich eher eine Frau suchen, die die ganzen weiblichen Arbeiten übernimmt, während ich eher für das Grobe zuständig bin? Aber ich schweife ab.

Um meine Selbstständigkeit noch weiter zu fördern, habe ich übrigens das perfekte Valentinstagsgeschenk bekommen. Scheiß was auf Blumen und Pralinen – Cuttermesser sind die neuen Schlüssel zu Frauenherzen. Ich liebe Männer, die wissen, was ich brauche. Wirklich. Schokolade gab’s allerdings auch noch dazu. Aber das ist okay. Schokolade und scharfe Messer. Nach dem Kampf mit der Wand genau die richtige Kombination.

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~Freundschaften sind so was tolles!~

Noch 87 Tage.

Es gibt Freunde, die sind toll. Es gibt Freunde, die sind zwar toll .. aber trotzdem möchte man ihnen manchmal wehtun. Meistens sind das genau die Momente, wenn eben diese Freunde verbale .. nennen wir es mal Entgleisungen haben. Oder wenn die Zunge einfach schneller als das Gehirn ist.

Da gibt es zum Beispiel die Freunde, die mich mit dem Charme eines kettenrasselnden Panzers in Verbindung bringen. Natürlich wirklich und total nett gemeint. Ganz und gar nicht negativ! In ähnlichen Gesprächen fiel dann auch schonmal der Vergleich mit einer grinsenden Tretminde. Ein Schelm, wer da etwas böses hinter vermuten würde. Auch das war vermutlich nur eine Art von Kompliment. Oder eine liebevolle Charakterbeschreibung.

Dann gibt es die Freunde, die einen als Holzklotz betiteln. Nein, natürlich sei ich eigentlich kein Holzklotz. Ich würde mich lediglich wie einer verkaufen, was im Prinzip jedoch beinahe auf das Gleiche herauskommt. In jedem Fall war beides nicht das, was ich in dem Moment hören wollte .. oder was ich gebraucht hätte.

Und dann gibt es noch die Freunde, die … hach, manches kann man gar nicht so gut beschreiben oder erzählen.

Man stelle sich folgende Situation vor: Meinereiner, eigentlich bisher recht sicher in der Annahme, dass ich aufgrund diverser Geschlechtsmerkmale und Chromosomen eher zur weiblichen als zur männlichen Weltbevölkerung gehöre, selbst wenn ich zugeben muss, einige der Männerwelt zugeschriebenen Eigenschaften zu besitzen. Allerdings dachte ich bisher immer, dass trotzdem meiner Umgebung und mir bekannt sei, dass ich in der Tiefe meines Herzens eben doch eine Frau bin. Zwar ohne rosa Plüsch, aber trotzdem deutlich weiblich.

Dazu kam dann das männliche Gegenstück.

Jetzt sitzen also ich als Frau und dieses männliche Gegenstück gemütlich auf dem Sofa, quatschen über Gott und die Welt, Arbeit, Hobbys, das Liebes – bzw. Beziehungsleben. Selbst grad Single, wollte mein Gesprächspartner mir dann quasi mitteilen, wie sexbedürftig er im Moment sei.

„Also, du könntest jetzt hier auch ’ne Frau neben mich auf das Sofa setzen .. und ich hätte trotzdem keine Lust …“

Nein, er hat es nicht direkt sofort gemerkt. Aber anschließend. Nachdem ich ihn vermöbeln wollte.

Ernsthaft .. bei solchen Freunden wunder ich mich auch nicht mehr, dass ich völlig gagga in der Birne bin.

~Auch im Krankenhaus darf gelacht werden~

Es gibt Krankenhäuser, die setzen auf Technik. Lieblingsmutti liegt gerade in so einem. Als ich damals meine Ausbildung da gemacht habe, wurden diese automatischen Transportteile gerade eingeführt. Damals war es vereinzelt schon nervig, wenn man mit dem Bett irgendwo warten musste .. oder der Transporter einem mal eben den Fahrstuhl vor der Nase wegschnappte.

automatischertransportMittlerweile scheint man die Technik immer noch nicht perfektioniert zu haben und diese Transportteile fahren nicht nur vereinzelt .. sondern in ganzen Rudeln quer durch’s Haus. Damit man vorgewarnt ist, falls man das Teil mal übersehen sollte, gibt’s natürlich noch das passende akustische Signal dazu. „Achtung, automatischer Transport!“ in einer Dauerendlosschleife. Schon nervig. wenn man das in der Singleversion hört .. und ein absolutes Highlight, wenn man den fünfstimmigen Surroundcanon vernimmt. Genau dieses Glück hatte ich gestern, während ich auf den Fahrstuhl gewartet habe. Drei von links, zwei von rechts. Stau im Kellergang. Da reichten nichtmal diese Haltebuchten wirklich aus und minutenlang ging da gar nichts .. bis auf das fünfstimmige „Achtung, automatischer Transport“. Dem älteren Herrn, der ebenfalls auf den Fahrstuhl warten wollte, liefen auch nur noch die Lachtränen durch’s Gesicht, während er sich verzweifelt bemühte, irgendwie Luft zu holen und auf den Beinen zu bleiben. Der heraneilende Techniker wirkte … kurzfristig überfordert. Musste aber ebenfalls Lachen.

Für den nächsten, aber eher verzweifelt fragenden Lacher sorgte dann übrigens Lieblingsmutti .. Sie wird bei Visite gefragt, ob sie einen ambulanten Pflegedienst für die weitere Versorgung kennt.
Was sagt sie? „Nicht wirklich. Nur so die vonne Caritas. Und die Nachbarschaftliche oder so. Und halt Augusta, ne?“

Ist klar. Danke Mama. Selten habe ich mich als Kind so ignoriert gefühlt. Zum Glück konnten wir dieses Missverständnis dann doch noch aus der Welt schaffen und ihr einen anderen Pflegedienst besorgen, der dann ab demnächst die Wundversorgung übernimmt. Immerhin.