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Wenn uns bewußt wird,

daß die Zeit,

die wir uns für einen anderen Menschen nehmen,

das Kostbarste ist,

was wir schenken können,

haben wir den Sinn der Weihnacht verstanden.

© Roswitha Bloch

~♡~♡~♡~♡~♡~

Glitzernd, auf glasklarem Eise

spiegelt Mondschein kühl sein Licht.

Flocken fallen, sanft und leise,

auf ganz wundersame Weise,

in des Winters Angesicht.

Durch die Stille tönt ein Klingen,

lieblich, in der kalten Nacht.

Engel heben an zu singen,

Lieder, die das Herz durchdringen,

und der Mond hält schweigend Wacht.

© Annette Andersen

***

Adventskalender:

gestern – Wäscheklammern

heute – Taschentücher

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~Überlegereien~

Ich mag diesen Ding nicht. Überhaupt nicht, nichtmal ansatzweise. Bücher müssen für mich aus Papier bestehen und nicht aus kleinen elektronischen Teilchen und einem Bildschirm. Deswegen lese ich – damit ich eben nicht die ganze Zeit irgendeinen Bildschirm vor Augen habe.

Der EReader auf dem Markt ist jetzt an sich nichts neues mehr. Man sieht die Dinger überall, alt und jung lesen damit, Männer und Frauen. Auch jetzt im Urlaub ist die Zahl der EReader am Pool vermutlich höher gewesen als die der Papierbücher. Ich finde es schade, weil ich manchmal alleine auf den Titel eines Buches neugierig geworden bin, wenn ich es irgendwo habe liegen sehen. Jetzt sieht man … gar nichts mehr. Für die Leute, die nicht wollen, dass jemand anders mitbekommt, was man da liest, mag das ja toll sein .. aber lese ich da so hochbrisante Texte, dass niemand anders das sehen darf? Oder ist mir da peinlich, was ich da lese? kindle1

Ich weiß, dass dieses Ding enorme Vorteile hat. Ich habe oft genug darüber nachgedacht bisher.

  • Das Gewicht. Es ist schon ein Riesenunterschied, ob ich für zwei Wochen Urlaub vier oder fünf Bücher einpacke oder den EReader dabei habe. Bei den Büchern muss ich mich vorher entscheiden, was ich lesen möchte. Muss am Besten die Bücher bzw. die Autoren kennen, damit ich weiß, dass mich das Buch auch wirklich fesselt und ich mich nicht einfach nur irgendwie durchquäle oder es nachher sogar frühzeitig an die Seite lege. Dazu kommen nochmal locker zwei bis drei Kilo Gewicht, die in einem hart an der Grenze gepackten Koffer schon auffallen bzw. stark einschränken. Der EReader wiegt ein paar hundert Gramm. Und ich kann, wenn ich lustig bin, mal eben ein paar hundert Bücher mit an den Strand nehmen. Die schaffe selbst ich nicht in der Zeit zu lesen, muss mir also über Nachschub keine Gedanken machen.
  • Die Preise. Bücher kosten Geld. Das ist an sich jetzt auch nicht wirklich etwas neues. Viele Bücher kosten viel Geld und zu viel Geld hat wohl niemand von uns. Ich habe das im November bzw. Dezember ganz stark gemerkt, wo ich aufgrund diverser Weihnachtsgeschenke etwas knapper bei Kasse war und mein monatlicher Bucheinkauf zurückstecken muss. Im Januar hatten sich bereits so viele Bücher auf meiner Wunschliste angesammelt, dass ich schon fast einen kleinen Lottogewinn hätte haben müssen. Demnach konnte ich wieder nur einen kleinen Teil bestellen .. was die Liste für den Februar aber nicht wirklich hat kürzer werden lassen. Auch sind viele Taschenbücher gerade von kleineren Verlagen oft so teuer, dass ich schon kurz davor stehe, wirklich auf sie zu verzichten, weil mir fünfzehn Euro für ein paar wenige hundert Seiten einfach zu viel sind. In meinem Tempo und Freizeit am Nachmittag habe ich ein Vergnügen für zwei, vielleicht drei Tage. Das ist dann schon ein stolzer Preis.  EBooks sind da deutlich günstiger. Manchmal sind es nur ein paar Euro, manchmal kostet die elektronische Version vielleicht noch die Hälfte. Da kommen schnell ein paar geparte Euro zusammen.
  • Verfügbarkeit. Ich finde immer mehr Bücher von Autoren, die ich unbedingt lesen möchte, die es aber bisher nur in der elektronischen Form gibt. Bei manchen besteht noch eine kleine Chance, dass sie irgendwann mal als Print erscheinen .. bei anderen definitiv nicht mehr. Ich könnte mir jetzt eine App auf den PC laden und die Bücher dann auf dem Bildschirm lesen .. aber noch ungemütlicher geht’s dann wirkich gar nicht mehr. Dazu kommt dann noch die Tatsache, dass die EBooks wesentlich schneller auf dem Markt sind als die Taschenbücher. Bei deutschen Autoren kommt je nach Verlag nochmal eine Wartezeit von zwei oder drei Wochen dazu, bei den englischen Autoren, die ich mittlerweile häufig lese, kann diese Wartezeit aber auch schonmal drei oder vier Monate betragen. Dazu kommt dann nämlich noch die Verzögerung, bis amazon auch endlich in Deutschland die Titel im Programm hat.
  • Der Platz. Klar, viele Bücher brauchen viel Platz. Meine Wände bestehen aus einigen wenigen Möbeln, ein paar Bildern und großen Regalwänden. Mittlerweile habe ich sogar zwei Bücherregale im Schlafzimmer, weil ich im Wohnzimmer gar nicht alles verstauen könnte. Die vielen John Sinclair Bücher, die ich damals mal wie wild gelesen habe, sind mittlerweile sogar schon in einer Kiste im Keller verschwunden, ebenfalls viele Kinder – bzw. Jugendbücher, die ich noch habe. Ich träume ja immer noch von einem kleinen Häuschen, in dem ich zusätzlich eine kleine Bibliothek hätte .. aber das wird vermutlich immer ein Traum bleiben. Also habe ich einfach ein Platzproblem. EBooks? Muss ich vermutlich nicht weiter erwähnen, wie platzsparend die sind …

Rein logisch, mit dem Verstand betrachtet, bleibt also nur noch die Frage, wieso ich mir das Ding nicht schon vor Jahren gekauft habe. Etwas besseres kann mir doch eigentlich gar nicht passieren. Das höre ich übrigens auch immer wieder von den Leuten, mit denen ich mich darüber unterhalte. Verständnisloses Kopfschütteln .. erst Recht, wenn ich meine gar nicht mehr logischen Gegenargumente erwähne.

kindle2Mir fehlt dann nämlich einfach dieses Buchgefühl. Ich bin scheinbar ein Mensch, ich lese nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Ohren, der Nase, den Fingern. Ich rieche den Geruch von dem Papier. Ich höre das Rascheln der Seiten. Ich spüre die Seiten an meinen Fingern, spüre den Bucheinband, der bei jedem Buch anders ist. Verschiedene Texturen, verschiedene Materialien .. das alles habe ich beim EBook nicht. Ich kann die Seitenecken beim Lesen nicht über meinen Finger streifen lassen. Jedes Buch fühlt sich als EBook gleich an, sieht gleich aus.

Ich habe auch kein Problem damit, wenn Bücher gelesen aussehen. Das gehört für mich einfach mit dazu. Ich habe mehr als ein Buch, dem man deutlich ansieht, dass ich sehr oft darin geblättert habe. Ich liebe meine Taschenbücher, die ich gebraucht auf dem Flohmarkt bekommen habe. Selbst mit Eselsohren oder vergilbten Seiten. Auch Bücher werden älter .. macht das nicht gerade einen Teil des Charmes aus?

Dazu kommt die Tatsache, dass ich Bücher an den Wänden liebe. Wohnungen ohne Bücher sind mir irgendwie suspekt .. und Menschen, die keine Bücher in ihrer Wohnung haben, finde ich erst Recht seltsam. Zeige mir dein Bücherregal und ich bekomme eine Ahnung davon, wer du bist. Soll ich dann demnächst in allen EReadern herumstöbern?

Und als kleiner Randeinwurf – Bücher kann ich mir, wenn ich die Gelegenheit dazu bekomme, vom Autor signieren lassen. Ja, ein paar solcher Exemplare besitze ich und liebe sie abgöttisch. Mit einem EBook? Keine Chance, nicht wahr? Selbst wenn ich ein Buch verschenke, kann ich irgendwo im Buch einen lieben Gruß hinterlassen. Auch das funktioniert mit EBooks nicht.

Diese Diskussion führe ich jetzt schon seit längerer Zeit mit mir. Ich kann mich einfach nicht dazu aufraffen, mir so ein Teil zu bestellen. Und es ist eine reine Verstand gegen Herz Diskussion. Logische Argumente gegen den Bauch quasi. Eine Kombination, die noch nie so wirklich zu einem brauchbaren Ergebnis geführt hat, egal worum es ging. Kopf und Herz sind bei mir prinzipiell unterschiedlicher Meinung. Also irgendwie klar, dass ich da auch jetzt nicht wirklich zu einem Ergebnis komme ..

~ Des Babys neue Reifen ~

Vor vielen Jahren lebte ein Baby, dass so ungeheuer viel auf neue Reifen hielt, dass es all sein gespartes Benzingeld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Es kümmerte sich nicht um seinen Ölstand, kümmerte sich nicht um die Scheibenwischer und liebte es nicht, durch Felder und Wälder zu fahren, außer um seine neuen Reifen zu zeigen. Es hatte Reifen für vorne und hinten, rechts und links, Sommer und Winter. Und ebenso wie man von einem Eisenbahner immer sagt, er lebt in der Irrenanstalt, so sagte man hier immer: „Das Baby lebt bei pneumobil!“

In der großen Stadt, in der das Baby wohnte, ging es sehr munter her. An jedem Tag fuhr das Baby in noch andere, größere und kleinere Städte, so dass es viele fremde Menschen sehen konnte. Eines Tages kamen auch zwei Betrüger beim Baby vorbei. Sie gaben sich für Reifenhändler aus und sagten, dass sie die luftigsten Reifen, die man sich denken könne, herzustellen verstanden. Die Felgen und das Profil seien nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Reifen, die aus einem Zaubergummi aufgeblasen werden würden, sollten die wunderbare Eigenschaft besitzen, dass sie für jeden Menschen unsichtbar seien, der nicht für den Straßenverkehr tauge oder unverzeihlich dumm sei.

„Das wären ja prächtige Reifen“, dachte das Baby. „Wenn ich solche hätte, könnte ich ja dahinterkommen, welche Autofahrer auf der A3 nicht als Verkehrsteilnehmer taugen, ich könnte die guten Fahrer von den Holländern unterscheiden! Ja, die Reifen müssen sogleich für mich hergestellt werden!“ Das Baby gab den beiden Betrügern viel Benzingeld, damit sie ihre Arbeit beginnen sollten.

Sie stellten auch zwei Reifenherstellstationen auf, taten, als ob sie arbeiteten, aber sie hatten nicht das geringste auf der Reifenstation. Trotzdem verlangten sie das feinste Werkzeug und die glänzensten Alufelgen. Diese steckten sie aber an ihre eigenen Autos und arbeiteten weiter an den leeren Reifenstationen bis spät in die Nacht hinein.

„Nun möchte ich doch wissen, wie weit sie mit dem Zeuge sind“, dachte das Baby, aber es war ihm beklommen zumute, wenn es daran dachte, dass keiner, der zu dumm oder zu unfähig zum Auto fahren war, die Reifen sehen konnte. Er glaubte zwar, dass es für sich selbst nichts zu fürchten brauche, aber es wollte doch erst einen Anderen senden, um zu sehen, wie es damit stehe. Alle Menschen in der ganzen Stadt wussten, welche besondere Kraft das Material habe, und alle waren begierig zu sehen, wie schlecht oder fahrunfähig ihr Nachbar sei.

„Ich will meinen alten, ehrlichen Günther zu den Reifenhändlern schicken“, dachte das Baby. „Er kann am Besten beurteilen, wie das Gummi sich ausnimmt, denn er hat Verstand, und keiner kann besser Auto fahren als er!“

Nun ging der alte, gute Eisenbahner in die Werkshalle hinein, wo die zwei Betrüger saßen und an den leeren Reifenstationen arbeiteten. „Die Bahn behüte uns!“, dachte der alte Günther und riss die Augen auf. „Ich kann ja gar nichts erblicken!“ Aber das sagte er nicht.

Beide Betrüger baten ihn, näher zu treten und fragten, ob es nicht ein wunderschönes Profil und traumhafte Felgen seien. Dann zeigten sie auf die leere Reifenstation und der arme Günther fuhr fort, die Augen aufzureißen, aber er konnte nichts sehen, denn es war nichts da. „Herr Lokomotivführer“, dachte er, „sollte ich nicht Auto fahren können? Das habe ich nie geglaubt und das darf kein Mensch wissen! Sollte ich nicht für mein Auto taugen? Nein, es geht nicht an, dass ich erzähle, ich könne die Reifen nicht sehen!“

„Nun, Sie sagen nichts dazu?“, fragte einer von den Reifenhändlern.

„Oh, sie sind wunderbar, ganz allerliebst!“, antwortete der alte Günther und sah durch seine Brille. „Dieses Profil und diese Felgen! Ja, ich werde dem Baby sagen, dass sie mir sehr gefallen!“

„Nun, das freut uns“, sagten beide Reifenhändler und darauf benannten sie die Felgen mit Namen und erklärten das außergewöhnliche Profil und die Felgenform. Der alte Eisenbahner merkte gut auf, damit er das Selbe sagen könne, wenn er zum Baby zurück komme, und das tat er auch.

Nun verlangten die Betrüger mehr Geld, mehr Gummi und mehr Aluminium zur Reifenherstellung. Sie steckten alles in ihre eigenen Taschen, auf die Reifenstation kam kein Gummi, aber sie fuhren fort, wie bisher an den leeren Stationen zu arbeiten.

Das Baby sandte bald wieder einen tüchtigen Eisenbahner hin, um zu sehen, wie es mit der Reifenherstellung stehe und ob der Reifen bald fertig sei. Es ging ihm aber gerade wie dem Ersten, er guckte und guckte, weil aber außer der Reifenstation nichts da war, so konnte er nichts sehen.

„Ist das nicht eine ganz besonders hübsche Felge?“ fragten die beiden Betrüger und zeigten und erklärten die Farben und Formen, die gar nicht da waren.

„Dumm bin ich nicht“, dachte Kevin. „Es ist also mein schicker Audi, zu dem ich nicht tauge! Das wäre seltsam genug, aber das muss man sich nicht merken lassen.“ Daher lobte er die Reifen, die er nicht sah und versicherte ihnen seine Freude über die atemberaubenden Felgen und das tolle Profil. „Ja, es ist ganz allerliebst!“, sagte er zum Baby.

Alle Menschen in der Stadt und auf den Autobahnen sprachen von den prächtigen Reifen. Nun wollte das Baby die Reifen selbst sehen, während sie noch auf den Reifenstationen waren. Mit einer ganzen Schar ausgewählter Männer und Frauen, unter denen auch die beiden Eisenbahner, die schon früher dagewesen waren, ging er zu den beiden listigen Betrügern hin, die nun aus allen Kräften arbeiteten, aber ohne Gummi oder Aluminium.

„Ja, ist das nicht prächtig?“, sagten die beiden vertrauten Eisenbahner. „Will das Baby sehen, welches Profil, welche Felgen?“ und dann zeigten sie auf die leere Reifenstation, denn sie glaubten, dass die Anderen die Reifen wohl sehen könnten.

„Was?!“, dachte das Baby. „Ich sehe gar nichts! Das ist ja schrecklich! Bin ich zu dumm zum Fahren? Tauge ich nicht dazu, ein Auto zu sein? Das wäre das Schrecklichste, was mir begegnen könnte!“ „Oh, es ist sehr hübsch“, sagte es stattdessen. „Sie haben meinen allerhöchsten Beifall!“ Und es nickte zufrieden und betrachtete die leere Reifenstation, es wollte nicht sagen, dass es nichts sehen könne. Das ganze Gefolge, was das Baby mit sich hatte, sah und sah, aber es bekam nicht mehr heraus als alle die Anderen. Aber sie sagten das Gleiche wie das Baby. „Oh, ist das wunderbar“, und sie rieten ihm, diese neuen prächtigen Reifen das erste Mal in der großen Baustelle, die bevorstand, anzuziehen.

„Sie sind herrlich, glänzend, ausgezeichnet!“, ging es von Mensch zu Mensch und man schien allerseits innig erfreut darüber. Das Baby verlieh jedem Betrüger einen Ehrenölfleck, um ihn auf der Jacke zu tragen und den Titel Hofmechaniker.

Die ganze Nacht vor dem Morgen, an dem die Baustelle in Betrieb genommen werden sollte, waren die Betrüger auf und hatten sechzehn Lichter angezündet, damit man sie auch recht gut bei ihrer Arbeit beobachten konnte. Die Leute konnten sehen, dass sie stark beschäftigt waren, des Babys neue Reifen fertigzumachen. Sie taten, als ob sie die Reifen von der Station nähmen, sie bliesen in die Luft mit großen Luftpumpen, sie polierten ohne Poliertücher, ohne Politur und sagten zuletzt: „Seht, nun sind die Reifen fertig!“

Das Baby mit seinen vornehmsten Eisenbahnern kam selbst, und beide Betrüger hoben die Arme hoch, gerade, als ob sie etwas Großes hielten, und sagten: „Seht, hier sind die wunderschönen Reifen auf den glänzenden Felgen mit den bunten Ventilen! Sie sind so leicht wie Politurläppchen, man sollte glauben, man habe nichts unter dem Auto, aber das ist gerade die Schönheit dabei!“

„Ja“, sagten alle Eisenbahner, aber sie konnten nichts sehen, denn es war nichts da.

„Belieben seine vierrädrige Hoheit das Baby jetzt die alten Reifen abzulegen“, sagten die Betrüger. „So wollen wir Ihnen die neuen hier auf der großen Hebebühne aufziehen!“

Das Baby legte seine alten Reifen ab und die Betrüger stellten sich, als ob sie ihm jeden Reifen an beiden Seiten, vorne und hinten anlegten und das Baby schnurrte vor Freude auf der Hebebühne und versuchte, sich in den Werkstatttoren zu spiegeln.

„Ei, wie gut sie aussehen, wie herrlich sie glänzen“, sagten alle. „Welches Profil, welch wunderschöne Felgen! Das sind wunderbare Reifen!“

„Vor den Toren stehen sie mit dem VfL Bochum Schal, der in das Baby gelegt werden soll“, meldete der eifrige Nachbar.

„Seht, ich bin ja fertig“, sagte das Baby. „Sitzen sie nicht gut?“ Und dann wendete es sich erneut zu den verspiegelten Toren, denn es sollte scheinen, als ob es seine Reifen recht betrachtete.

So rollte das Baby unter den geworfenen Federn zu den Menschen auf die Straße und alle Menschen dort sprachen: „Wie sind des Babys neue Reifen unvergleichlich! Welch Felgenglanz sie haben! Welch unglaubliches Profil sie haben! Wie perfekt sie aussehen!“ Keiner wollte sich merken lassen, dass er nichts sah, denn dann hätten sie ja zugegeben, zu dumm oder zu unfähig zum Autofahren zu sein. Keine Reifen des Babys hatten solches Glück gemacht wie diese.

„Aber es hat doch gar keine Reifen!“, sagte endlich das Riesenbaby, das auch vor den Toren der Werkstatt stand. „Hört die Stimme der Erdbeerbowle, die aus dem Kind spricht!“ rief der Lieblingspapa, bevor auch er stutzte. Sein Riesenbaby hatte Recht – da waren gar keine Reifen!

Bevor die Menschenmenge etwas merkte, bahnten sich das Riesenbaby und der Lieblingspapa einen Weg zum Baby und nahmen es beiseite.

„Ich weiß schon“, flüsterte das Baby betrübt. „Auch ich bin vermutlich zu dumm für die Autobahn.“

Das Riesenbaby tätschelte dem Baby beruhigend den Kotflügel. „Mach dir keine Sorgen mein Hübsches. Wir bekommen das hin! Gleich nach den Feierlichkeiten fahren wir beide nach Hattingen, wo ich dir neue Reifen besorgen werde. Auch diese werden ein wunderschönes Profil und glänzende Felgen haben. Versprochen! Und dann machen wir uns zu dritt auf die Suche nach den elenden Betrügern und binden sie mit einem Schalketrikot mitten auf den Borsigplatz!

Als das Baby dieses Versprechen hörte, war es glücklich – wusste es doch, dass es sich auf das Riesenbaby und den Lieblingspapa verlassen konnte.

Gleich in der nächsten Woche machten sie sich auf den Weg zu einem echten Reifenhändler und das Baby bekam die wunderschönsten Reifen, die es sich vorstellen konnte.

Seitdem sind das Riesenbaby, der Lieblingspapa und das Baby gemeinsam unterwegs. Und wenn sie keinen Platten haben, so fahren sie noch heute …

 

~ The End ~

(Nach einem Märchen von Hans Christian Andersen. Und mir.)

***

Sowas passiert, wenn der Lieblingspapa Geburtstag hat, das Baby dringend zwei neue Sommerreifen benötigt und das Töchterchen zu eitel ist, um mal eben einen Gutschein zu kaufen oder irgendwas zetteliges zu basteln. Manchmal frage ich mich auch, was bei mir im Kopf alles kaputt ist …

17 Tage übrigens noch.

 

~8 Kilo lesbares Glück~

Noch 63 Tage.

Und dann war da gestern noch das Paket, auf dass ich so dringend gewartet habe. Ersten Meldungen zufolge sollte es mich erst irgendwann zwischen dem achten und neunzehnten März erreichen. Eine Zwischenmeldung von vor ein paar Tagen schob das Datum schon ganz weit nach vorne, nämlich auf gestern oder heute. Und dann war es aber gestern schon so weit.

8,21 Kilo. Fühlten sich aber eigentlich ganz leicht an, ausserdem hat der Paketmensch das bei den Lieblingsmuttis Nachbarn im Erdgeschoss abgegeben. Demnach hält sich also auch mein schlechtes Gewissen in Grenzen.

Ein kleines Teilchen fehlt zwar noch .. aber trotzdem bin ich jetzt um 8,21 Kilo Bücher schwerer … glücklicher … was auch immer. Neunzehn Mal bedrucktes Glück, neunzehn Mal Realitätsflucht, neunzehn Mal vergnügliche Lesestunden. Und wie es aussieht, habe ich auch direkt meine Urlaubslektüre dabei. Die vier Teile der Kallypso Masters entpuppen sich als quasi Schwergewichte, dazu noch Sally und ihre beiden Agenten … wehe, Lieblingsmutti hält mich vom Lesen ab.

Jetzt kann ich auch endlich die letzten Seiten der tollen Eisrose zuende lesen, auch wenn ich seit einer Weile befürchte, dass ich schon weiß, auf was das Ganze hinauslaufen wird. Aber gut, manchmal passiert das eben. Vielleicht bin ich einfach zu gestört, dass ich direkt Gleichgesinnte erkennen kann …