~Freundschaften sind so was tolles!~

Noch 87 Tage.

Es gibt Freunde, die sind toll. Es gibt Freunde, die sind zwar toll .. aber trotzdem möchte man ihnen manchmal wehtun. Meistens sind das genau die Momente, wenn eben diese Freunde verbale .. nennen wir es mal Entgleisungen haben. Oder wenn die Zunge einfach schneller als das Gehirn ist.

Da gibt es zum Beispiel die Freunde, die mich mit dem Charme eines kettenrasselnden Panzers in Verbindung bringen. Natürlich wirklich und total nett gemeint. Ganz und gar nicht negativ! In ähnlichen Gesprächen fiel dann auch schonmal der Vergleich mit einer grinsenden Tretminde. Ein Schelm, wer da etwas böses hinter vermuten würde. Auch das war vermutlich nur eine Art von Kompliment. Oder eine liebevolle Charakterbeschreibung.

Dann gibt es die Freunde, die einen als Holzklotz betiteln. Nein, natürlich sei ich eigentlich kein Holzklotz. Ich würde mich lediglich wie einer verkaufen, was im Prinzip jedoch beinahe auf das Gleiche herauskommt. In jedem Fall war beides nicht das, was ich in dem Moment hören wollte .. oder was ich gebraucht hätte.

Und dann gibt es noch die Freunde, die … hach, manches kann man gar nicht so gut beschreiben oder erzählen.

Man stelle sich folgende Situation vor: Meinereiner, eigentlich bisher recht sicher in der Annahme, dass ich aufgrund diverser Geschlechtsmerkmale und Chromosomen eher zur weiblichen als zur männlichen Weltbevölkerung gehöre, selbst wenn ich zugeben muss, einige der Männerwelt zugeschriebenen Eigenschaften zu besitzen. Allerdings dachte ich bisher immer, dass trotzdem meiner Umgebung und mir bekannt sei, dass ich in der Tiefe meines Herzens eben doch eine Frau bin. Zwar ohne rosa Plüsch, aber trotzdem deutlich weiblich.

Dazu kam dann das männliche Gegenstück.

Jetzt sitzen also ich als Frau und dieses männliche Gegenstück gemütlich auf dem Sofa, quatschen über Gott und die Welt, Arbeit, Hobbys, das Liebes – bzw. Beziehungsleben. Selbst grad Single, wollte mein Gesprächspartner mir dann quasi mitteilen, wie sexbedürftig er im Moment sei.

„Also, du könntest jetzt hier auch ’ne Frau neben mich auf das Sofa setzen .. und ich hätte trotzdem keine Lust …“

Nein, er hat es nicht direkt sofort gemerkt. Aber anschließend. Nachdem ich ihn vermöbeln wollte.

Ernsthaft .. bei solchen Freunden wunder ich mich auch nicht mehr, dass ich völlig gagga in der Birne bin.

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~Leichte Panik in drei … zwei … eins …~

Noch 101 Tage.

Es ist nicht so, dass ich langsam in Panik gerate oder so. Aber sämtliche bisher erfolgreichen Verdrängungsmechanismen aus den letzten Wochen und Monaten versagen jetzt im Moment gerade völlig und lassen mich von Minute zu Minute hibbelger .. und schlafloser werden. Irgendwo bin ich ja schon froh, dass ich nicht um sechs oder halb sieben im Krankenhaus antanzen darf, sondern erst zu relativ gemäßigter Zeit um halb neun. Trotzdem wird mir jetzt dezent übel, wenn ich daran denke, dass ich in etwas weniger als zwölf Stunden auf dem Tisch liege .. oder vielleicht hoffentlich schon alles hinter mir habe.

„Machen Sie sich jetzt erstmal keine Gedanken, genießen Sie die Feiertage und rutschen sie gut in’s neue Jahr ‚rein .. und dann können die Gedanken kommen.“

Scheinbar habe ich das recht gut beherzigt, immerhin. Das Gedankenkarussell dreht sich wirklich erst seit Neujahr immer schneller, vor allem da jetzt mittlerweile auch Lieblingsmutti Bescheid weiß und natürlich noch unendlich viele Fragen hat. Warum habe ich ihr nicht eher etwas gesagt, warum habe ich das nicht eher machen lassen, warum bin ich am Anfang so unregelmäßig zur Vorsorge gegangen, was ist das da jetzt wirklich, wie schlimm ist es, bin ich anschließend wieder gesund, was kann da noch passieren .. und noch ganz viele Dinge mehr, über die ich mir eigentlich gar nicht so wirklich den Kopf zerbrechen möchte. Zumindest jetzt nicht. Vielleicht am Freitag mal. Oder später. Aber nicht jetzt. Ich will jetzt nicht wissen, was da noch passieren kann, oder was passiert, wenn ich jetzt in den letzten Wochen oder Monaten alles doch zu lange herausgezögert habe. Diese Überreaktion dank Arbeit in der Palliativpflege hat mir am Anfang schon gereicht, das brauche ich jetzt nicht nochmal.

Bringt mir im Endeffekt auch nichts. Wenn ich mir Muttis Reaktion vorstelle, wenn ich mir meine Gedanken anmerken lasse … autsch. Im Leben nicht. Sie hatte am Sonntag schon Tränen in den Augen und konnte kaum sprechen. Teils aus Sorge, teils aus einer Art von Wut über meine Trödeligkeit und teils wegen schwachsinnigen Selbstvorwürfen – wenn sie schließlich nicht im Krankenhaus gelegen hätte, dann wäre ich ja bestimmt schon im November und eher in Oberhausen gewesen. Ist klar. Also statt Angst oder Panik rede ich Mutti lieber erstmal diesen Schwachsinn aus.

Morgen früh um halb neun also. Damit startet 2015 absolut scheiße .. und kann doch eigentlich nur noch besser werden. Oder?

~Es reicht. Ich gebe auf.~

Mit dem heutigen Tage hat sich dieses Jahr dann entgültig in die Schublade der bescheidensten Jahre meines Lebens einsortiert.

Der eigentliche Plan für heute war

  • nach Hause kommen
  • duschen und für’s Stadion anziehen
  • zu Mutti in’s Krankenhaus fahren und da zwei Stündchen sitzen und quatschen
  • in’s Stadion gehen und ein hoffentlich tolles Spiel gucken.

Soweit der Plan. An sich konnte man den bereits beim ersten Punkt schon in die Tonne kloppen, denn ein viel zu später Feierabend plus natürlich diverse Staus auf den Autobahnen und in der Stadt sorgten dafür, dass ich nicht nur spät, sondern viel zu spät zuhause ankam. Selbst ohne das Duschen hätte ich höchstens noch eine knappe Stunde Zeit für den Besuch bei Mama gehabt. Da Murphy und ich uns allerdings verkracht haben, konnte er das natürlich nicht so stehen lassen und dachte sich vermutlich: „Mensch, der hau ich doch direkt noch einen rein, da geht noch was!“

Also verpasste er kurzerhand meiner Gastherme im Bad eine lustige Fehlermeldung, mit der erstmal niemand etwas anfangen konnte. Ausserdem ließ er mal eben sämtliches Wasser aus eben jener Therme verschwinden, dass dann später wie durch Zauberhand im Schlafzimmer unter der Heizung auf dem Fußboden wieder auftauchen sollte. Also genau das, was der Mensch an einem Freitag so braucht. Mein nur noch klägliches Fiepen nach Hilfe wurde zum Glück von meinem Nachbarn und von Papa erhört, so dass ich zumindest nicht alleine war, als dann endlich die notfallmäßig herbeigerufenen Jungs der Sanitärfirma eintrafen.

An dieser Stelle vielleicht ein kleiner Hinweis an die Herren der Schöpfung. Einer Frau, die sichtbar sowieso schon mit den Tränen kämpft, weil grad alles gleichzeitig kommt und in der Menge einfach zu viel zum Verarbeiten ist .. so einer Frau erklärt man nicht an einem Freitag Spätnachmittag, dass die Heizung mal eben ausgestellt werden und man mindestens über’s Wochenende bis vermutlich Mitte nächster Woche auf sowohl die Heizung, als auch auf warmes Wasser verzichten müsste. Auch wenn es die Wahrheit ist. Und erst Recht findet man das nicht besonders lustig und grinst dabei über beide Ohren, weil man ja selbst grad so gute Laune hat.

Es muss eh jeder selbst wissen, wie er seinem Leben ein Ende bereiten möchte. Aber deren Glück war in dem Moment wirklich nur, dass ich eher noch in dieser weinerlich depressiven statt in der Wutphase war. Sonst hätten die mit ihren Aussagen anschließend vermutlich jemanden gebraucht, der ihre Knochen von der Straße aufsammelt. Nein, sie können nichts für meine Heizung. Und nein, das ist an sich auch kein Beinbruch. Aber ein klein wenig sollte man sich schon in die Lage desjenigen hineinversetzen. Nur ein klein wenig.

Mittlerweile war es auch so spät, dass es weder zum Duschen noch zum Krankenbesuch reichte – mit etwas Glück wäre ich zumindest rechtzeitig im Stadion. Mit Mutti konnte ich abklären, dass ich nach dem Spiel noch vorbei komme – extra noch die Bettnachbarin und die Schwestern auf Station gefragt, ob das in Ordnung ginge. Es ging.

So saß ich dann nach einem grandiosen Spiel mit doch recht guter Laune bei Mutti am Bett, erzählte von meinem traumhaften Tag, ließ mir von ihren Erlebnissen berichten, bekam die Erlaubnis, die nächsten Tage bei ihr zu duschen und ggf. auch zu übernachten .. und konnte mich dann irgendwann wesentlich später und wesentlich beruhigter auf den Weg in mein kaltes Zuhause machen.

Lieblingspapa hat mir zur Vorsicht einen Heizlüfter in’s Wohnzimmer gestellt. Heute Abend brauche ich ihn zumindest nicht mehr, da ich mich gleich in’s Bett verkrümeln werde .. aber zumindest sieht jetzt gerade nicht mehr alles noch so schwarz aus wie heute Nachmittag.

Jetzt müsste dieses olle Jahr nur noch spontan heute zuende gehen. Bitte. Damit dann endlich nächstes Jahr alles besser und viel toller wird …

~Déjà – vu~

Déjà-vus sind kacke. Auch wenn heute Mittwoch statt Montag ist.
Telefongespräche, die mit: „Kind, bekomm jetzt keinen Schreck!“ beginnen, sind mindestens genau so kacke. Egal an welchem Tag.

Lieblingsmutti ist seit heute Mittag schon wieder im Krankenhaus, schon wieder wegen dem Bein. Schon wieder operiert worden. Schon wieder setzte die Tränendrüse jegliche Professionalität ausser Kraft.

Dieses Mal ist es jedoch nicht die Thrombose, sondern das riesige Hämatom am Oberschenkel, das die Beschwerden verursacht. Nachdem die Hausärztin sich jetzt doch nach knapp sechs Tagen mal dazu herabgelassen hat, sich die Wunde bzw. das Bein anzusehen und auf die Schmerzen einzugehen, ist Mutti quasi postwendend wieder im Krankenhaus gelandet, da sich die Stelle mittlerweile wunderbar entzündet hat. Jetzt hat sie also nicht mehr nur noch ein kleines Löchlein .. sondern ein größeres Loch, aus dem es fröhlich suppt und nässt. Abgesehen davon scheint es immerhin nicht mehr zu tun .. was allerdings bei vier mal zwei Tabletten Novalgin am Tag auch kein wirkliches Wunder ist.

Lieblingsmutti liegt wie ein Häufchen Elend im Bett. Schon wieder. Hatte sie doch nicht wirklich damit gerechnet, so schnell schon wieder im Krankenhaus zu sein. Ich allerdings auch nicht. Dieses Mal wird sie allerdings nicht so schnell wieder zuhause sein – laut Stationsarzt dürfen wir wohl mit mindestens einer Woche rechnen, jenachdem, wie sich die Wunde am Bein jetzt entwickelt.

Es gibt Tage, da mag man einfach nicht mehr ..

~wieder zuhause~

Lieblingsmutti ist seit heute Mittag dann auch wieder zuhause. Eine kleine offene Stelle in der Leiste von der OP hat sie noch, zusätzlich ein riesiges Hämatom am Oberschenkel .. aber ansonsten ist alles so gut verlaufen, dass es wohl keinen weiteren Grund gab, sie noch länger dort zu behalten. Zum Glück. Selbst wenn man weiß, dass eigentlich schon wieder alles in Ordnung ist, ist es doch ein komisches Gefühl, sie dort im Bett liegen zu sehen. Irgendwie macht das automatisch krank. Allerdings ist es auch nicht viel besser, sie die kurzen Wege humpeln zu sehen, vor allem wenn man weiß, dass sie sich eigentlich viel lieber gar nichts anmerken lassen würde. Aber jede Bewegung mit dem Oberschenkel scheint wegen dem Hämatom doch noch arg weh zu tun. Dazu kommt dann auch, wenn Mutti der Meinung ist, alles selbst machen zu müssen und mir bloß nicht zur Last fallen zu wollen, weil ich ja eh schon so viel Arbeit hätte. Dann noch die ganze Woche so wenig Schlaf, da ich ja morgens schon immer wieder bei ihr im Krankenhaus anstatt in meinem Bett war … jetzt hat sie ein schlechtes Gewissen deswegen.

Blöd ist auch, wenn man so rein von der psychischen Seite dann noch einen ‚reingewürgt bekommt. Lieblingsmutti ist aufgrund ihrer Thrombose aus den siebziger Jahren nicht wirklich begeistert von Marcumar und ihr ist sichtlich ein Stein vom Herzen gefallen, als der Doc gestern meinte, dass sie nicht unbedingt Marcumar nehmen müsste – erst könnte man vielleicht mal genauer abklären, was das für eine Gerinnungsstörung ist, die sich seit ein paar Generationen in unserer Familie fröhlich weitervererbt. Daran hat sie sich festgehalten.

Was macht ihre Hausärztin? Liest Thrombose auf dem Entlassungsbericht und schickt sie direkt in’s Labor zur Quickbestimmung und Marcumareinstellung. Herzlichen Glückwunsch. Anstatt den Brief weiter zu lesen und sich an das zu halten, was da drin steht .. nö. Lieber selbst machen. Vielleicht hätte sie den gleichen Enthusiasmus auch mal mit der offenen Stelle in der Leiste entwickeln sollen. Die hat sie nämlich gar nicht interessiert. Wie gut, dass wenigstens heute Morgen im Krankenhaus das Pflaster noch gewechselt wurde.

Jetzt darf Mutti also noch öfter zum Arzt, um dort ihr Blut abzugeben. Sie freut sich, wie wahnsinnig quasi. Besonders jetzt, wo das Laufen und Auto fahren ja so unglaublich leicht fällt.